Minimalismus Star Richard Serra, und die Frage, welcher Weg der Richtige ist

Ein kleiner Einblick was Dich im Guggenheim Bilbao erwartet. Die Meisten kommen nach Bilbao um das Gebäude selbst zu sehen, was allein natürlich schon ein Kunstwerk ist, selbst nach über 20 Jahren. Der Spaziergang um das Museum herum dauert schon länger, als man glauben möchte. Jede einzelne Skulptur vor dem Museum wäre eine Reise wert. Für mich war aber auch der Besuch des Museums sehr spannend, weil Jenny Holzer gerade ausstellte. Die Skulpturen von Richard Serra hatte ich da gar nicht so auf meiner Prioritätenliste. Das sollte sich ändern.

Viele Impressionen habe ich letzten Frühling von meinem Besuch nicht geteilt. Das lag hauptsächlich daran, dass das Museum selbst hier nicht sehr fortschrittlich ist, und überall im Museum, bis auf wenige Ausnahmen, striktes Fotografierverbot herrscht. Das wirkte auch etwas seltsam weil es gerade eine interaktive Ausstellung im Erdgeschoss gab, die ohne Handyapp gar nicht richtig wahrgenommen werden konnte. Und generell hatte ich nicht den Eindruck, dass es ein Museum ist, das zum Verweilen einlädt. Menschen mit Höhenangst werden in diesem Gebäude sowieso ihre Schwierigkeiten haben. Man kommt kaum von A nach B ohne zwischen schwindelnden Höhen auf kleinen Brücken oder schmalen Wegen zu gehen. Das kann durchaus challenging sein. Woher ich das wohl weiß! Da der Eintritt doch recht teuer ist, finde ich das schon erwähnenswert. Aber da ich nun mal meine Reise um das Museum herum gebastelt habe, wollte ich es auch komplett kennenlernen, sympathisch oder nicht. 

Ein Highlight: Richard Serra

Sieht man den offenen Raum von der Galerie ist es noch ein Kunstwerk, dass Dich vielleicht anspricht, vielleicht auch nicht. Betritt man diesen Raum sieht die Sache schon ganz anders aus. Selbst ein Jahr später kann ich mich noch gut daran erinnern, wie sich dieses Gefühl plötzlich ganz schnell änderte, und aus einem neugierigen Spaziergang plötzlich eine Erfahrung wurde die mein Unterbewusstsein von innen nach außen kehrte. 

Die Installation ist, bis auf ein Stück (Serpentine, 1993) im Auftrag des Museums 2003-2005 für diesen Raum entstanden.

The Matter of Time

besteht aus acht 1034 tonnenschweren Stahlskulpturen (Spiralen, Ellipsen, Schlangenformen) produziert in Siegen in Deutschland bei Pickhan-Umformtechnik. Der Werkstoff, den Serra in seiner Zeit als Literatur-Student kennengelernt hat, als er sein Studium in einem Stahlwerk in Kalifornien finanzierte.

Das Material selbst in seiner Rohheit war es aber gar nicht. Man kann sich plötzlich vorstellen, dass man nur ein kleines Körnchen in unserem Universum ist, dass man sich selbst nicht so wichtig nehmen muß, und das große ganze eine viel bedeutendere Rolle spielt.

Die gedrehten Stahlteile sollen keine Labyrinthe darstellen, sondern dass es keine richtige oder falsche Wahl gibt, welchen Weg wir einschlagen sollen. Das Sprichwort : hodos ano kato mia kai hote, ist hier der Hauptdarsteller.

Der Weg nach oben und nach unten ist ein und dasselbe. 

Dass dieses Kunstwerk einer der größten bildhauerischen, aber auch teuersten Aufträge, die bisher in der Moderne für einen speziellen Raum entwickelt wurden, ist, kann ich mir seit meinem Besuch in Bilbao sehr gut vorstellen. 

Schau Dir das an, wenn Du eine Reise ins Baskenland planst. Es lohnt sich. Weitere Reisetipps findest Du hier: Reise

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