Museumstipp Schildermalkunst

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt. Neben Amerikas größtem Sign Museum in Cinncinati haben wir in Wien eine der feinsten Schildermalkunst-Sammlungen an einem Originalschauplatz.

Schildermaler Museum, Samuel-Wien | vanportrait.at

Das ehemalige Atelier für Individuelle Schriftgestaltung in der Mühlgasse zeigt viele Exemplare von Vater Arnold Samuel von fast vergessener Handwerkskunst, die stolz von seinem Sohn und Nachfolger Josef präsentiert und erklärt werden, der das Handwerk des Schildermalermeisters in vierter Generation im Freihausviertel weitergeführt hat bis zu seiner Pensionierung. Heute fungiert das Geschäft als Museum. Seit 1882 im Besitz der Familie Samuel findet man hier vom Jugendstil bis zur Moderne die schönsten Beispiele des Handwerks der Schildermalerei. Ich konnte während der Signweek Vienna an einer Führung teilnehmen, und war begeistert von den Beispielen.

Von Hinterglas-Blattgold Schildern, Holztafeln, Schrifttafeln, Originalskizzen findet man alles was das Typografie Herz begehren könnte. Es riecht noch immer nach Terpentin und man darf fast alles mit der Hand begreifen!

Schildermaler Museum, Samuel-Wien | vanportrait.atSchildermaler Museum, Samuel-Wien | vanportrait.at

Es war für mich auch gleichzeitig ein perfekter Auftakt und eine tolle Motivation für den kurz darauf beginnenden Signpainting Workshop bei Mike Meyer, einer meiner größten Vorbilder, und ein begnadeter Lehrer, wie sich herausstellen sollte.

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Ein schöner Text zum Abschluss und als Inspiration von Typograf Christian Heinrich Kleukens (1880-1954) , Leiter der Mainzer Presse und Dozent an der Staatsschule für Kunst und Handwerk Mainz, den ich in einer der Bücher in Walbaum-Fraktur gefunden habe, beschreibt den Sinn und das Ziel der Schildermalerei sehr treffend, und berührt mich immer wieder zutiefst, wenn ich ihn lese. Treffender kann man es nicht formulieren.

Keine Kunst braucht zur Vollendung mehr Liebe als die Kunst der Letter, keine mehr Innerlichkeit und mehr Demut. Sie selbst denkt nicht ans Strahlen. Das unsichtbar Geistige soll leuchten. Die Wortwunder der Dichter und Weisen werden durch sie lebendig und geben ab von ihrem Mut, ihrem Märchenglanze, ihrer Wahrhaftigkeit und Kraft jedem, der will.

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