Was man für einen 18. Geburtstag so braucht

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Kaum ist das Zeugnis in der Tasche fiebere ich jedes Jahr einem Event entgegen, das so gar nichts mit einem Job zu tun hat. Am Ende der Sommerferien hat meine Tochter Geburtstag. Jahrelang war sie die Einzige, die mitbekommen hat, was es bedeutet ein Kalligrafie-Alphabet zu üben.

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Sie wuchs damit auf. Bei uns war das ganz normal, dass ich mich während Ihrer Volksschulzeit gegenüber an den Tisch setzte, und meine Übungsblätter auspackte. Wir schrieben den gleichen Text, bloß mit unterschiedlichen Federn. Witz: Sie war bald schneller als ich, und richtig stolz drauf. Aber darum geht es ja in der Kalligrafie ganz und gar nicht. Zum Glück. Gerade diese Entschleunigung macht ja heute, in unserer schnelllebigen Zeit, die Faszination aus. Nahm man sich früher für jedes Handwerk ausreichend Zeit, ist es heute nie schnell genug. Die Kunst des Schönen Schreibens wird aber mit der Anerkennung von Demut und Bereitwilligkeit zu genauer Beobachtung immer langsamer. Man konzentriert sich auf jede Haarlinie. Von der Fuß-Stellung über die Haltung der Wirbelsäule, den Nacken, und schließlich die Balance des Gewichts der Arme. Dann erst kommt die schreibende Hand.  Kennt man das Ereignis besser, für das kalligrafiert wird, wird auch – mit Sicherheit – das Ergebnis besser. Denn man denkt an das Briefing, oder vielleicht sogar die Fotos, die man mitgeliefert bekommen hat. Das brauche ich bei meiner Tochter alles nicht. Ich habe unsere gemeinsamen Erinnerungen, die mich bei der Federführung begleiten. Augenblicke, die sie zum Strahlen gebracht haben. Inseln, auf denen wir die Seele baumeln lassen haben, und tausend Momente mehr.

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Nur logisch, dass ich für diesen Geburtstag um ein Vielfaches länger brauche, als für Fremde mit denen mich Nichts verbindet. Und, ehrlich gesagt hatte ich vielleicht auch deshalb nie den Plan mit meinen Kalligrafie-Arbeiten an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich übte Script für Script und perfektionierte jahrelang einzelne Buchstaben und Alphabete. Ab und zu entstand ein Gedicht, eine Karte für eine Freundin. Nur bei meiner Hochzeit, vor 19 Jahren ließ ich es mir nicht nehmen, die Menükarten selbst zu schreiben. Und das war lustigerweise das Stück, das erst vor 2 Jahren plötzlich selbst meiner Familie die Augen öffnete, dass ich ‚das‘ ja schon immer gemacht habe. Ein ganz seltsames Aha-Erlebnis. Aber solche gehören ja auch zum Leben dazu. Wie die Tatsache, dass auch bei diesem Geburtstag so einiges anders sein wird. Meine Tochter ist keine Schülerin mehr, sondern seit einem Jahr Studentin, und sie ist ausgezogen. Ich plane also einen Geburtstag, an dem sie zum ersten Mal nicht aufgeregt morgens aus ihrem Zimmer kommen wird. Ein Gefühl, das ich noch gar nicht richtig zuordnen kann. Mal sehen wie das meine Vorbereitungen und meine Arbeit beeinflussen wird. So easy wie beim 18. Geburtstag wird es mit Sicherheit nicht. Denn da wußte ich genau, dass es nur so vor Gold glittern darf, und Sprühkerzen Funken sprühen dürfen was das Zeug hält. Es nicht genug Chalkboards geben kann. Die von Hand ausgeschnittenen ‚Cake-Topper‘ waren ein Highlight und eine tolle Überraschung, und der Songtext auf den Einladungskarten hatte mehr Bedeutung, als ich damals geglaubt hatte. Also los an die Arbeit!

Let’s give her wings to fly,

she has got a SUMMER to live.

– von O’G3NE, 2015 –

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Wie die Caketopper auf den Torten ‚in action‘ aussahen, siehst Du im Portfolio: hier

Siebzehn Jahr, fast blondes Haar: hier

 

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2 Gedanken zu “Was man für einen 18. Geburtstag so braucht

  1. 🙂 Wie immer – wunderschön, liebe Vanessa!
    Ich bin immer wieder begeistert von den schönen Dingen, die Du produzierst. Und manchmal, wenn ich irgendwo ein Schild oder eine Karte sehe, dann überlege ich, ob das möglicherweise von Dir gefertigt wurde.
    Schönen Sonntag und ganz liebe Grüße 🙂

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