Social Media 101: Instagram-Challenge

VD-Goldrahmen-Instagram-Challenge

Was ist eine Challenge und wer braucht das überhaupt?

Auf eine philosophische Diskussion über die Sinnhaftigkeit einer Instagram-Challenge möchte ich mich aus vielen Gründen nicht einlassen. Dieser Beitrag gilt denjenigen, die die Instagram-App gerne und regelmäßig nützen um einen kreativen Austausch zu finden, den sie in ihrem realen Alltag vermissen.

Ich bin so ein Mensch. Ich sitze tagtäglich alleine an meinem Zeichentisch oder Computer und habe keine Arbeitskollegen mit denen ich mich über meine Arbeit oder Ideen austauschen könnte, oder konstruktive Kritik erwarten kann. Internet sei Dank finden sich hier jede Menge Communities, die da Abhilfe schaffen. Begibt man sich zu seinem präferierten Gebiet, und sei es noch so ein kleines Nischen-Thema, auf die Suche wird man fündig. So auch in der Welt der gezeichneten Buchstaben. Während man auf der Strasse oder im Supermarkt, auch nicht im Papierfachgeschäft so schnell auf Menschen stößt, die sich mit Schreibstilen und Handschriften aus dem vorigen Jahrhundert beschäftigen, ist man Anfangs tatsächlich sehr überrascht, dass es im Netz den Anschein macht niemand würde etwas Anderes tun. Die Social-Media-Seifenblase nenn ich diesen Effekt gerne. Hat man sich von der anfänglichen Euphorie erholt, gilt es aufmerksam zu filtern.

Der Instagram Challenge Hype

Hat man dann auch endlich ein Smartphone, meist ist es dann auch tatsächlich das iPhone (aus Gründen), landet man unweigerlich auf Instagram und in der Welt der immerblühenden Pfingstrosen auf spiegelnd lackierten weißen Schreibtischen mit Duftkerzen. Mittendrin tummeln sich unscharfe Urlaubsfotos, Motivations-Zitate und Katzenbilder. ‚Also Bitte? Wozu brauch ich das?‘, ist berechtigterweise oft einer der ersten entsetzten Sätze eines Neulings. Sich in diesem quadratischen Foto-Dschungel zurechtzufinden bedarf einiges an Geduld und Übung, wenn man nicht sein täglich Brot damit verdient. Anmerkung am Rande: Ja, das ist ein Job. Social-Media Manager wollen Geld verdienen, genauso wie Versicherungsvertreter oder Handwerker. Content-Befüllung ist ein Vollzeitjob, der einiger Fähigkeiten bedarf. Die Zeiten, in denen man ein unscharfes 300×400 Pixel Foto ins Netz lied und dafür Beifall erntete sind lange vorbei. Niemand findet mehr spannend, dass man Fotos tatsächlich hochladen kann. Nicht nur fotografieren sollte man können, Fotobearbeitung, richtige Größenverhältnisse und richtige Beschriftung sind ebenso unentbehrliches Tagesgeschäft wie passende Texte, Hashtags, Erwähnungen, Tags, korrektes kommentieren und antworten. Fragen wie ‚Wer will was von wem warum?‘ müssen vor dem Upload abgeklärt sein. Das Mysterium der Privaten Accounts und ihre schwierige Handhabung sind ein Kapitel für sich. Entscheide ich mich einmal in diesem ‚Square-Space‘ mitzumischen, bewege ich mich in einem der heissumkämpftesten Werbeflächen. Und schon findet sich die Überleitung vom Nischeninteresse zu einer Instagram-Challenge. Da gibt es zum einen Firmen, die ein Produkt anbieten, das auf Amazon genauso wie im Fachhandel untergeht, umgekehrt aber nur schwer beim Händler ums Eck verkauft werden kann. Wie erreicht man also die Zielgruppe, die dann auch tatsächlich verzweifelt nach dem Produkt oder auch der korrekten Handhabung mit diesem Wunschobjekt sucht?

Fall-Beispiel Filzstift mit Synthetik-Spitze

Im Kreativbereich gibt es hierzu ein passendes Beispiel, das man sehr schnell nachvollziehen kann. Während im Alltag niemand weiss was ein legendärer Tombow ist, wurde ich bei meiner Instagram-Wettbewerb Recherche fast visuell erschlagen von dieser Filzstift-Marke. Es scheint, als gäbe es nichts anderes. Eine Revolution, ein Marker-Hype, ein Geschäftsmodell, ein Wettkampf, eine Philosophie … man ist sich manchmal nicht sicher, ob es sich um eine Boy-Group mit nacktem Oberkörper handelt, oder doch nur um einen Stift. Man könnte glauben, dass man ein Nichts und Niemand ist, wenn man nach wie vor mit Acrylfarben, Aquarellfarben, Ölkreiden, Pinseln und all dem altmodischen Zeug hantiert, das Künstler in den letzten Jahrhunderten für Ihre Arbeiten verwendet haben. Hast Du keinen Dual-Marker wird die Woche auf Instagram nicht Deine werden. Nein, es ist natürlich nicht so. Der Stift ist OK, und hat seine Berechtigung, Wunder ist er nur in einer Hinsicht: ein Marketingwunder. Ein Geschäftsmodell, und eines das bei vielen gut funktioniert. Nicht nur die Marke selbst schart eine überwältigende Community um sich. Es ist ein bisschen wie ein Pyramidenspiel. Hat man einmal eine Weile genügend Bilder mit seinen tanzenden Buchstaben und Brushletterings hochgeladen, die natürlich immer auf dem Foto mindestens ein bis zwei dieser Filzstifte wie zufällig im ‚Foto-Setting‘ inkludiert haben, und vorausgesetzt man malt auch ganz passabel mit dem Stift, hat man eines Tages eine eigene Fangemeinde. Hatte man davor auch schon ein Konzept im Hinterkopf, das der Hauptgrund der Online-Aktivität ist, kann das zum Erfolg führen. Denn: Welche Worte man auf das richtige Blatt Papier malt bleibt ja jedem selbst überlassen. Fans sind neugierig und wollen mehr über die getypte Person erfahren. Also geht es zu weiterführenden Links.

Die richtige Fährte zur Karotte

Will man die Fanbase bei Laune halten muss man vorgedacht haben. Auf deutsch: Man hat ein ordentliches Profilbild, das jeder kennt. Man hat in 150 Zeichen neben dem Bild eine aussagekräftige Biografie, die auch jemand interessiert. Man hat einen Link, der auf eine Website führt, die den Fan weiter fesselt. Und hier muss es dann nicht nur spannend weitergehen, sondern auch endlich was zu kaufen geben. Und das bitte klar und deutlich und ohne Umschweife, denn sonst wird der Fan niemals ein Kunde werden, und Deine Arbeit war völlig umsonst. Und Nein! Niemand, der täglich mindestens ein bis zwei Bilder zu einem Thema hochlädt macht das aus Langeweile, oder nur zum Spass, und schon gar nicht ohne Hintergedanken.

Hast Du also einmal 10K+ (Kurzform für 10.000 Follower plus) auf Instagram gesammelt, hast Du hoffentlich parallel alles am Start um Dein Produkt an den Mann zu bringen. Ein paar erfolgreiche Beispiele in meiner IG-Blase, die dann ‚überraschenderweise‘ neben der ‚Community first‘-Philosophie auch eindeutig Produkte mit einer One-Click-Möglichkeit zum Verkauf anbieten, obwohl sie natürlich nur Hilfestellungen für die Fangemeinde sind:

  • Kochbuch – Print oder pdf.download
  • Tutorials aller Art als  pdf.download
  • Workshops – sowohl online als auch offline
  • Onlineshops mit Mützen, Bunter Zwirn, Handyhüllen
  • Artprints – Print oder pdf.download

Arbeiten 3-4 Instagramer mit dem gleichen Thema zusammen kann das schon ein virales Feuerwerk hervorrufen, und eine ganz ordentliche Fanbase von schnell mal 50K+ und deutlich mehr bewirken, obwohl man im echten Leben regional vielleicht mal schlappe 30, maximal 100 Menschen für das Thema begeistern, und zu einer Vernissage oder einem Workshop motivieren könnte.

Arbeitsaufwand und Fazit: IG-GartenLettering & Gartenkalligrafie Challenge

Jetzt wollte ich aus reinem Interesse einmal sehen wie das so mit den Followern läuft, wenn man sie wirklich direkt anspricht und versucht zu motivieren, nur der Sache wegen mitzumachen. Ich wollte sehen, ob es denn Interesse an gemeinsamen Projekten im deutschsprachigen Raum gibt. Die Geschichte der Schriftentwicklung hätte ja ausreichend Wurzeln in Europa um daran anknüpfen zu können.

Ich betreue zur Zeit 8 Instagram-Accounts und habe mir dafür meinen Kreativ-Account @vanportrait ausgesucht. Der ist mit einem konkreten Thema überschaubar, und ich kenne meine Follower – haha, natürlich nicht in der Realität. Nein, ich kenne von den meisten Follower die Beweggründe mir zu folgen. Oft ist es ja so, dass man Mitbewerber ’nur‘ beobachten will, besonders wenn sie im gleichen geografischen Radius agieren. Das erkennt man daran, dass solche Follower nie ein Foto liken und nicht kommentieren. Grosse Ausnahme: Sie wollen mit einem Kommentar auf eine ihrer Aktivitäten, die unmittelbar bevorstehen aufmerksam machen. Kommt das öfter, empfehle ich den ‚Blockier-Button‘. Wer nicht durch seine Arbeit glänzen kann und nur Ellbogentechnik im Sinn hat kann zu dem organischen Wachstum Deiner Gemeinschaft nichts beitragen.

Da ich meine Statistiken lese, weiss ich, dass ich ausreichend Follower aus Österreich und Deutschland habe. Mit ausreichend meine ich in diesem Fall, dass es bestimmt an die 20-30 Menschen in Österreich und Deutschland gibt, die sich, wie ich, mit den Unterschieden verschiedener Kalligrafie Stile mit der Spitzfeder beschäftigen.  Erstes Hindernis: Dazu müsste der Follower den winzigen Text unter dem Bild auch lesen. Das quadratische Bild mit der Aussage wird also das Zentrum der Aufmerksamkeit in den meisten Fällen bleiben.

Meine Instagram Challenge rief auf im März täglich eine Gemüsesorte von der veröffentlichten Liste in deutscher Sprache zu posten. Die Worte Gartenlettering und Gartenkalligrafie waren bewusst so angelegt, dass eine englischsprachige Anlehnung ausgeschlossen war. Der Radius war somit auf wenige Sprachen reduziert. Es gab keine Material oder Stileinschränkungen um niemand abzuschrecken. Es wurde eine bunte Mischung aus Moderner Kalligrafie und Handlettering. Mir selbst hat die Aufgabe Spaß gemacht und am Ende hatte ich ein hübsches Challenge Beispiel (hier) für vanportrait.at und 31 Garten-Letterings. Mein Arbeitsaufwand mit dem Wort selbst, Foto und Text täglich in etwa 2 Stunden.

Das Ergebnis/Fazit: Es war viel mehr Arbeit als ich gedacht habe, obwohl ich selbst oft schon bei Instagram Challenges über einen langen Zeitraum mitgemacht habe, ist es doch noch ein Stück mehr Arbeit, wenn man als gutes Beispiel und aktiver User mit gutem Beispiel vorangehen will. Kommentare durchaus positiv. Es kamen proportional zu anderen Monaten überraschend viele Follower dazu, und ich habe sehr viele tolle Kreative aus anderen Ländern kennengelernt, die hilfsbereit und mit grossem Engagement ihr Wissen teilen. Ich selbst habe viel in diesem Monat durch andere Fotos gelernt, und mit der Auseinandersetzung mit den Pflanzen mein eigenes Basiswissen in Pflanzenkunde erweitert für mein 2.Selbsterntejahr und den Start in die Gartensaison 2016.

Teilnahmen: 2 Fotos in einem Monat. Den Austausch, den ich gesucht habe, habe ich nicht gefunden. Im Gegenteil, ich musste feststellen, dass zu viele Menschen sich darauf konzentrieren bei anderen Accounts Texte und #hashtags zu suchen, die sie auch verwenden könnten um mehr Likes zu erzielen,  anstatt an der Verbesserung der Qualität ihrer Arbeit. Ganz ehrlich: Man kann mit Hashtags besser gefunden werden, aber die Arbeit wird dadurch nicht besser, wenn man wahllos tags verwendet. Diese erzwungenen Likes und Follower sind in den meisten Fällen auch keine User, die wirklich an Deinem Profil und an Deiner Arbeit interessiert sind, sondern erwarten sich im Gegenzug bloß auch ein rotes Herz. Vielleicht wirklich einmal objektiv reflektieren, ob man sein Bestes gegeben hat, eventuell ab und an die Galerie durch gehen und den Fortschritt im eigenen Profil betrachten, den Mut haben Fotos zu löschen, weil sie wirklich schlecht sind oder einfach nichts aussagen. Man kann mit diesem winzigen Account viel bewegen, wen man viel zu sagen oder zu bieten hat. Aber man sollte nicht glauben, dass es eine Arbeit von 5 Minuten 1-2x pro Woche ist. Es ist ein Vollzeitjob, der keine Pause gönnt und ganz sicher nicht irgendwo Dienstags in der Mittagspause beginnt Freitag Nachmittag endet.